Knochenaufbau im Kiefer: Welche Methode passt zu welchem Defekt?

Nach einem Zahnverlust baut sich der Kieferknochen nicht nur langsam, sondern messbar ab. Im ersten Jahr kann die vertikale Knochenhöhe ohne Versorgung um bis zu 25 Prozent schrumpfen.

Knochenaufbau im Kiefer: Welche Methode passt zu welchem Defekt?

Für ein Implantat fehlt dann häufig nicht der gesamte Knochen, sondern genau die Dimension, die für eine stabile Verankerung erforderlich ist: Höhe, Breite oder beides.

Ein Knochenaufbau ist deshalb kein einheitlicher Eingriff. Der interne Sinuslift behandelt einen anderen Defekt als eine gesteuerte Knochenregeneration. Ein schmaler Kieferkamm erfordert ein anderes Vorgehen als ein ausgedehnter vertikaler Knochenverlust. Die richtige Methode ergibt sich aus der dreidimensionalen Diagnostik, der Position des Implantats und der vorhandenen Restknochenhöhe.

Knochenverlust nach Zahnverlust: Der Defekt beginnt früh

Der Kieferknochen bleibt nicht unverändert, wenn die Belastung durch eine Zahnwurzel ausbleibt. Nach einer Extraktion fällt das Zahnfach zusammen. Die knöcherne Begrenzung wird schmaler, die Höhe nimmt ab. Dieser Prozess betrifft besonders den Bereich, in dem später ein Implantat stehen soll.

Für die Implantatplanung sind drei Dimensionen entscheidend:

  • Knochenhöhe: Sie bestimmt, wie lang das Implantat sicher verankert werden kann.
  • Knochenbreite: Sie entscheidet, ob das Implantat vollständig von Knochen umgeben ist.
  • Knochenposition: Das Implantat muss nicht nur irgendwie im Knochen stehen, sondern prothetisch korrekt unter der späteren Krone oder Brücke positioniert werden.

Für die langfristige Stabilität eines Standardimplantats werden mindestens 2 Millimeter umgebende Knochensubstanz als erforderlich angegeben. Diese Reserve ist nicht allein eine ästhetische Frage. Sie beeinflusst die mechanische Stabilität, die Osseointegration und das Risiko einer späteren Freilegung von Implantatgewinden.

Ein Implantat kann technisch eingesetzt werden, obwohl die Knochenverhältnisse suboptimal sind. Das bedeutet nicht, dass die Versorgung biologisch oder prothetisch sinnvoll geplant ist. Eine zu dünne Knochenlamelle kann das Risiko von Defekten erhöhen. Im sichtbaren Frontzahnbereich kommt zusätzlich die Kontur des Weichgewebes hinzu. Dort kann ein fehlendes Knochenvolumen später als eingefallener Zahnfleischverlauf sichtbar werden.

Socket Preservation: Knochenverlust direkt nach der Extraktion begrenzen

Die Socket Preservation, auch Alveolenmanagement genannt, setzt unmittelbar nach der Zahnentfernung an. Das leere Zahnfach wird mit Knochenersatzmaterial aufgefüllt. Ziel ist nicht, jede Veränderung des Kieferkamms zu verhindern. Ziel ist, den Kollaps der Alveole und den Substanzverlust zu begrenzen.

Das Verfahren ist besonders dann relevant, wenn eine spätere Implantation bereits absehbar ist. Es ersetzt keine präzise Planung und garantiert nicht, dass später vollständig auf einen zusätzlichen Knochenaufbau verzichtet werden kann. Die Ausgangssituation bleibt entscheidend: Entzündung, Defektgröße, Knochenwand und Weichgewebe beeinflussen das Ergebnis.

Socket Preservation ist damit eine präventive Maßnahme. Sie steht am Anfang der Behandlungskette und nicht am Ende einer bereits fortgeschrittenen Atrophie.

Der günstigste Knochenaufbau ist häufig der, den man durch rechtzeitiges Alveolenmanagement kleiner halten kann. Verhindern lässt sich der Knochenabbau jedoch nicht in jedem Fall vollständig.

Welche Knochenaufbau-Methode passt zu welchem Defekt?

Die Methoden unterscheiden sich nicht nur im Operationsumfang. Sie arbeiten an unterschiedlichen anatomischen Problemen. Ein Verfahren, das bei einem schmalen Kieferkamm sinnvoll ist, löst keinen vertikalen Defekt im Seitenzahnbereich des Oberkiefers.

Defekt oder AusgangssituationGeeignetes VerfahrenTypischer VorteilZentrale Einschränkung
Frische Extraktionsalveole mit erwartbarem KnochenabbauSocket PreservationBegrenzung des Kollapses direkt nach der ExtraktionKein sicherer vollständiger Erhalt des ursprünglichen Volumens
Zu schmaler Kieferkamm bei ausreichender HöheBone Spreading oder Bone SplittingVerbreiterung des Kamms, Implantation teilweise in derselben Sitzung möglichNur bei geeigneter Knochenhöhe und ausreichender Knochenqualität
5 bis 8 Millimeter Restknochen im seitlichen OberkieferInterner SinusliftGeringerer Zugang, häufig gleichzeitige ImplantationNur bei begrenzter vertikaler Unterversorgung geeignet
Weniger als etwa 4 bis 5 Millimeter Restknochen unter dem SinusbodenExterner SinusliftAufbau größerer vertikaler DefekteGrößerer Eingriff, meist 4 bis 6 Monate Einheilzeit vor der Implantation
Begrenzter horizontaler oder vertikaler DefektGesteuerte Knochenregeneration, GBRDefektaufbau mit Knochenersatzmaterial und MembranStabilität des Augmentats und Weichgewebesituation sind entscheidend
Defektstrecke bis etwa 5 Millimeter bei geeigneter IndikationAutologer KnochenblockKörpereigenes Material mit osteogenen EigenschaftenEntnahmestelle, zusätzlicher Operationsbereich und begrenztes Volumen
Stark reduziertes KnochenangebotKombinierte oder alternative ImplantatplanungIndividuelle Anpassung an die AnatomieHäufig mehrstufige Behandlung oder Ausweichkonzept erforderlich

Diese Tabelle ersetzt keine Befundung. Sie zeigt aber, weshalb die Aussage, eine bestimmte Methode sei generell die beste, fachlich zu kurz greift.

Eigenknochen oder Knochenersatzmaterial?

Beim Vergleich von Eigenknochen und Knochenersatzmaterial geht es nicht um eine einfache Rangliste. Beide Materialgruppen haben unterschiedliche biologische Eigenschaften und werden in der Praxis je nach Defekt kombiniert oder alternativ eingesetzt.

Autologer Knochen: biologisch aktiv, aber nicht ohne Zusatzaufwand

Autologer Knochen stammt vom Patienten selbst. Intraorale Entnahmestellen liegen beispielsweise im Bereich der Linea obliqua des Unterkiefers oder der Retromolarregion. Nach der S2k-Leitlinie zu Knochenersatzmaterialien, Stand Juli 2020, lassen sich mit intraoral entnommenen autogenen Knochenblöcken Augmentationsstrecken von bis zu etwa 5 Millimetern bewältigen.

Der entscheidende Vorteil liegt in der biologischen Qualität. Autologer Knochen gilt als Goldstandard, weil er gleichzeitig drei Eigenschaften besitzt:

  • Osteokonduktion: Er dient als Leitstruktur für einwachsenden Knochen.
  • Osteoinduktion: Er kann knochenbildende Prozesse stimulieren.
  • Osteogenese: Er enthält lebende knochenbildende Zellen beziehungsweise biologisch aktive Bestandteile.

Synthetische, allogene oder xenogene Materialien erfüllen vor allem eine Gerüstfunktion. Sie unterstützen die Knochenneubildung, bilden aber nicht in gleicher Weise selbst neuen Knochen. Daraus folgt nicht automatisch, dass Eigenknochen bei jedem Defekt überlegen ist. Die Entnahme verursacht einen zusätzlichen Operationsbereich. Das verfügbare Volumen ist begrenzt. Bei kleinen Defekten kann ein alternatives Material deshalb das weniger belastende Gesamtkonzept sein.

Knochenersatzmaterial: weniger invasiv, aber abhängig von der Defektbiologie

Knochenersatzmaterialien können synthetischen, allogenen oder xenogenen Ursprungs sein. Sie werden häufig bei kleineren Defekten, im Rahmen einer GBR oder beim Sinuslift eingesetzt. Eine Membran kann das Material vom Weichgewebe abgrenzen und den für die Knochenneubildung erforderlichen Raum stabilisieren.

Der klinische Erfolg hängt dabei nicht nur vom Materialnamen ab. Entscheidend sind:

  • die Größe und Form des Defekts,
  • die Stabilität des Augmentats,
  • die Durchblutung,
  • die Qualität der umgebenden Knochenwände,
  • der spannungsfreie Weichgewebeverschluss,
  • die Mundhygiene und die Belastung während der Heilung.

Ein Knochenersatzmaterial kann einen fehlenden Knochenblock nicht in jeder Situation ersetzen. Bei großen, dreidimensionalen Defekten reicht ein loses Granulat allein möglicherweise nicht aus. Dann kommen Membranen, Fixationsmaßnahmen, autologe Anteile oder eine mehrstufige Rekonstruktion ins Spiel.

Nicht das Material entscheidet isoliert über die Prognose. Entscheidend ist, ob das Augmentat über Monate mechanisch stabil bleibt und biologisch in einen belastbaren Knochenverbund übergeht.

Sinuslift-Verfahren im Oberkiefer: Die Restknochenhöhe ist der entscheidende Wert

Im seitlichen Oberkiefer liegt der Sinusboden häufig nahe an den Wurzeln der Seitenzähne. Nach Zahnverlust kann sich die Kieferhöhle zusätzlich in Richtung Kieferkamm ausdehnen. Die vertikale Knochenhöhe unterhalb des Sinusbodens nimmt ab. Für ein Implantat bleibt dann zu wenig Knochen zur sicheren Primärstabilität.

Der Sinuslift hebt die Schleimhaut des Kieferhöhlenbodens an. Der neu geschaffene Raum wird mit Knochenersatzmaterial oder einer geeigneten Materialkombination aufgefüllt. Die Wahl zwischen internem und externem Sinuslift richtet sich vor allem nach der verbliebenen Knochenhöhe.

Interner Sinuslift

Der interne Sinuslift wird typischerweise bei einer Restknochenhöhe von etwa 5 bis 8 Millimetern angewendet. Der Zugang erfolgt über das Implantatbett. Der Sinusboden wird kontrolliert angehoben, anschließend kann das Implantat häufig in derselben Sitzung eingesetzt werden.

Der Vorteil liegt im begrenzteren Zugang. Der Eingriff ist weniger umfangreich als ein lateraler, externer Sinuslift. Die Methode setzt jedoch voraus, dass ausreichend Restknochen vorhanden ist, um das Implantat primär zu stabilisieren. Bei stark reduziertem Knochenangebot reicht die vertikale Anhebung allein nicht aus.

Externer Sinuslift

Bei weniger als etwa 4 bis 5 Millimetern Restknochenhöhe wird eher ein externer Sinuslift eingesetzt. Der Zugang erfolgt über ein seitliches Knochenfenster. Dadurch kann der Sinusboden über eine größere Strecke angehoben und der Defekt kontrollierter aufgebaut werden.

In dieser Situation wird das Implantat nicht zwingend sofort gesetzt. Häufig erfolgt zunächst der Knochenaufbau. Vor der Implantation ist dann eine Einheilzeit von etwa 4 bis 6 Monaten vorgesehen. Ob eine simultane Implantation möglich ist, hängt von der Restknochenhöhe, der Knochenqualität und der erreichbaren Primärstabilität ab.

Die Unterschiede zwischen den Sinuslift-Verfahren lassen sich so zusammenfassen:

MerkmalInterner SinusliftExterner Sinuslift
Typische RestknochenhöheEtwa 5 bis 8 MillimeterWeniger als etwa 4 bis 5 Millimeter
ZugangÜber das ImplantatbettSeitliches Knochenfenster
ImplantationHäufig in derselben Sitzung möglichHäufig zunächst Aufbau, danach Implantation
EingriffsgrößeBegrenzterUmfangreicher
EinheilkonzeptAbhängig von Primärstabilität und AugmentatBei zweizeitigem Vorgehen meist 4 bis 6 Monate vor Implantation
HauptvorteilWeniger invasiver ZugangBessere Kontrolle bei größerem vertikalem Defekt
HauptgrenzeNicht für starkes Knochenminus ausgelegtHöherer Operationsaufwand

Ein Sinuslift ist kein Verfahren zur allgemeinen Verbesserung des Oberkieferknochens. Er behandelt einen klar definierten vertikalen Defekt unterhalb der Kieferhöhle. Die dreidimensionale Bildgebung muss zeigen, wie viel Knochen tatsächlich vorhanden ist und ob zusätzliche anatomische Faktoren das Vorgehen beeinflussen.

GBR, Bone Spreading und Bone Splitting: Was bei einem schmalen Kieferkamm möglich ist

Gesteuerte Knochenregeneration

Die gesteuerte Knochenregeneration, kurz GBR, wird eingesetzt, wenn ein begrenzter Knochenanteil fehlt. Knochenersatzmaterial füllt den Defekt. Eine Membran hält das schnell wachsende Weichgewebe zurück und schafft Raum für die langsamere Knochenneubildung.

GBR kann horizontal und in ausgewählten Situationen auch vertikal angewendet werden. Die Prognose verschlechtert sich, wenn der Defekt kaum eigene Knochenwände besitzt oder das Augmentat nicht stabil gehalten werden kann. Ein vollständig freistehender Aufbau ist biologisch anspruchsvoller als ein Defekt, der von mehreren Seiten knöchern begrenzt wird.

Die Methode ist präzise, aber nicht beliebig skalierbar. Je größer der Defekt, desto höher die Anforderungen an Fixation, Membranstabilität und Weichgewebemanagement.

Bone Spreading und Bone Splitting

Beim Bone Spreading wird ein zu schmaler Kieferkamm vorsichtig aufgedehnt. Beim Bone Splitting wird der Kamm kontrolliert gespalten. Beide Verfahren setzen voraus, dass die Knochenhöhe ausreichend ist. Das Ziel besteht darin, den Kieferkamm so zu verbreitern, dass ein Implantat direkt in den entstandenen Raum eingesetzt werden kann.

Die Verfahren sind keine Lösung für einen fehlenden Kieferkamm in allen drei Dimensionen. Sie nutzen vorhandene Knochenstrukturen. Fehlt auch die Höhe, ist ein zusätzlicher Aufbau oder ein alternatives Implantatkonzept erforderlich.

Der Vorteil liegt im unmittelbaren Bezug zur Implantation. Der Nachteil liegt in der Abhängigkeit von der Elastizität und Struktur des vorhandenen Knochens. Ein sehr stark resorbierter oder spröder Kieferkamm lässt sich nicht mit derselben Sicherheit spreizen wie ein schmaler, aber ausreichend hoher Kamm.

Autologer Knochenblock bei begrenzten Strecken

Ein Knochenblock kann bei klar begrenzten Defekten eingesetzt und mit Schrauben stabilisiert werden. Intraoral entnommene Blöcke können Augmentationsstrecken bis etwa 5 Millimeter abdecken. Der Eingriff hat jedoch zwei Operationsfelder: die Empfängerregion und die Entnahmestelle.

Der Vorteil ist die hohe biologische Aktivität. Der Nachteil ist die zusätzliche Belastung. Bei einem kleinen, gut begrenzten Defekt kann ein Knochenblock überdimensioniert sein. Bei einem größeren Defekt kann er dagegen sinnvoller sein als eine alleinige Granulataugmentation.

Knochenaugmentation: Dauer, Heilung und Behandlungsphasen

Die Dauer eines Knochenaufbaus hängt stärker vom Verfahren und vom Defekt ab als vom Begriff Augmentation selbst. Ein kleiner Aufbau im Rahmen einer Implantation ist nicht mit einem externen Sinuslift oder einem vertikalen Blockaufbau vergleichbar.

Typische Behandlungsphasen sind:

1. Diagnostik und Planung: Klinische Untersuchung, dreidimensionale Bildgebung und prothetische Planung legen Defektform, Implantatposition und Augmentationsziel fest.

2. Chirurgischer Aufbau: Das gewählte Material wird eingebracht, geformt und je nach Verfahren mit Membran, Schrauben oder anderen stabilisierenden Maßnahmen gesichert.

3. Wundverschluss: Der Weichgewebeverschluss muss spannungsfrei sein. Eine vorzeitige Exposition des Materials kann die Heilung beeinträchtigen.

4. Einheilung: Der Aufbau wird biologisch umgebaut und mit neuem Knochen durchsetzt. Die erforderliche Zeit variiert nach Methode und Belastung.

5. Kontrolle und Implantation: Nach der Einheilphase wird geprüft, ob Volumen und Stabilität für die geplante Implantation ausreichen.

6. Prothetische Versorgung: Erst wenn Implantat und Knochen eine belastbare Einheit bilden, folgt die definitive Krone, Brücke oder andere Versorgung.

Beim externen Sinuslift wird bei zweizeitigem Vorgehen häufig eine Einheilzeit von 4 bis 6 Monaten vor der Implantation eingeplant. Das ist kein universeller Kalenderwert für jeden Knochenaufbau. Kleinere Augmentationen können anders terminiert werden. Bei komplexen Defekten kann die Behandlung länger dauern oder einen weiteren Aufbau erfordern.

Risiken realistisch einordnen

Ein Knochenaufbau ist ein chirurgischer Eingriff. Zu den methodenübergreifenden Risiken gehören Wundheilungsstörungen, Infektionen, Materialverlust, unzureichender Knochengewinn und die Notwendigkeit einer erneuten Augmentation. Beim Sinuslift kommt die mögliche Reizung oder Verletzung der Kieferhöhlenschleimhaut hinzu.

Die Risikobewertung muss an der Anatomie ausgerichtet sein. Ein kleiner, gut begrenzter Defekt ist nicht mit einem vertikalen Aufbau ohne stabile Knochenwände vergleichbar. Auch die individuelle Heilungssituation spielt eine Rolle. Eine belastbare Aussage entsteht erst aus Befund, Bildgebung und geplantem prothetischem Ziel.

Die zentrale technische Frage lautet: Bleibt der aufgebaute Raum während der Heilung erhalten? Wenn Membran oder Knochenersatzmaterial kollabieren, kann der geplante Knochengewinn ausbleiben. Deshalb sind Operationsdesign, Stabilität und Weichgewebemanagement keine Nebenaspekte, sondern Teil des eigentlichen Verfahrens.

Implantation ohne Knochenaufbau: Wann Alternativen geprüft werden

Ein Knochenaufbau ist nicht bei jedem Implantat zwingend erforderlich. Kurze Implantate oder abgewinkelte Implantate können in ausgewählten Fällen eine Augmentation vermeiden. Auch Konzepte wie All-on-4 beziehungsweise COMFOUR nutzen die vorhandene Anatomie anders und umgehen unter Umständen stark resorbierte Bereiche.

Das bedeutet nicht, dass diese Konzepte pauschal besser sind. Sie verändern die Planung. Statt fehlenden Knochen zu rekonstruieren, wird die Implantatposition an die vorhandenen Strukturen angepasst. Dafür müssen die prothetische Belastung, die Knochenqualität, die Anzahl der Implantate und die langfristige Reinigungsfähigkeit zusammenpassen.

Die Entscheidung sollte daher nicht lauten: Knochenaufbau oder kein Knochenaufbau. Die sachlichere Frage ist:

  • Welche Implantatposition ist prothetisch sinnvoll?
  • Welche Knochenhöhe und -breite ist dort vorhanden?
  • Lässt sich die Position durch ein alternatives Implantatdesign verändern?
  • Welche Belastung entsteht durch Krone, Brücke oder festsitzende Vollbogenversorgung?
  • Ist die gewählte Lösung langfristig hygienefähig und kontrollierbar?

Ein Verzicht auf Augmentation kann sinnvoll sein. Er ist aber kein Qualitätsmerkmal an sich. Ein kürzerer Eingriff ist nicht automatisch die bessere Versorgung, wenn dafür Implantatposition, Belastung oder Reinigbarkeit ungünstiger werden.

Kosten für den Knochenaufbau im Kiefer

Die Kosten hängen von Defektgröße, Methode, Material, Operationsumfang und der geplanten Implantatversorgung ab. Als grobe Orientierung werden für einen kleineren Knochenaufbau etwa 330 Euro und für einen Sinuslift bis etwa 850 Euro genannt. Diese Werte sind keine verbindliche Gesamtkalkulation.

Nicht zwingend enthalten sind sämtliche diagnostischen Leistungen, eine DVT-Aufnahme, zusätzliche chirurgische Maßnahmen, Membranen, Fixationsschrauben, Knochenersatzmaterial oder die spätere Implantat- und Zahnersatzversorgung. Auch die Abrechnung nach der Gebührenordnung für Zahnärzte kann je nach Schwierigkeit und Umfang variieren.

Eine seriöse Kostenplanung sollte deshalb nicht nur eine Position mit der Bezeichnung Knochenaufbau enthalten. Sie muss die gesamte Behandlungskette ausweisen:

  • dreidimensionale Diagnostik,
  • Entfernung eines nicht erhaltungswürdigen Zahns, falls erforderlich,
  • Socket Preservation oder definitive Augmentation,
  • Material- und Membrankosten,
  • Implantation,
  • Freilegung oder weitere chirurgische Schritte,
  • Abutment und Zahnersatz,
  • Nachsorge und Kontrollen.

Die gesetzliche Krankenversicherung übernimmt die Kosten für den Knochenaufbau im Regelfall nicht vollständig. Der konkrete Eigenanteil hängt vom Befund, der Versorgung und dem Versicherungsstatus ab. Eine pauschale Kostenzusage lässt sich aus der Methode allein nicht ableiten.

Fazit: Nicht die modernste Methode, sondern die passende Geometrie entscheidet

Der Knochenaufbau im Kiefer ist eine rekonstruktive Maßnahme mit klarer Indikation. Die Methode richtet sich nach der fehlenden Dimension: Socket Preservation begrenzt den Kollaps nach der Extraktion. Bone Spreading und Bone Splitting behandeln einen schmalen, aber ausreichend hohen Kieferkamm. Der interne Sinuslift eignet sich typischerweise bei 5 bis 8 Millimetern Restknochen im seitlichen Oberkiefer. Bei weniger als etwa 4 bis 5 Millimetern kommt eher der externe Sinuslift infrage. Größere oder komplexe Defekte erfordern GBR, Knochenblöcke oder kombinierte Konzepte.

Eigenknochen besitzt die stärksten biologischen Eigenschaften, ist aber mit einer Entnahmestelle und begrenztem Volumen verbunden. Knochenersatzmaterial reduziert diesen Zusatzaufwand, verlangt jedoch eine stabile Defektarchitektur und kontrollierte Heilung.

Die klinisch relevante Entscheidung fällt daher nicht über Werbeversprechen oder Materialnamen. Sie fällt über Millimeter, Knochenwände, Implantatposition und die geplante Belastung. Erst wenn diese Parameter zusammenpassen, wird aus einer Augmentation eine belastbare Grundlage für die spätere Implantatversorgung.

Häufige Fragen

Welche Methode eignet sich bei einem schmalen Kieferkamm?
Bei einem zu schmalen, aber ausreichend hohen Kieferkamm können Bone Spreading oder Bone Splitting eingesetzt werden. Die Implantation ist dabei teilweise in derselben Sitzung möglich, sofern Knochenhöhe und Knochenqualität geeignet sind.
Wann ist ein interner Sinuslift möglich?
Ein interner Sinuslift wird typischerweise bei etwa 5 bis 8 Millimetern Restknochenhöhe im seitlichen Oberkiefer angewendet. Das Implantat kann häufig in derselben Sitzung eingesetzt werden, wenn eine ausreichende Primärstabilität erreichbar ist.
Wann wird ein externer Sinuslift empfohlen?
Bei weniger als etwa 4 bis 5 Millimetern Restknochen unter dem Sinusboden kommt eher ein externer Sinuslift infrage. Häufig erfolgt zunächst der Knochenaufbau, gefolgt von einer Einheilzeit von etwa 4 bis 6 Monaten vor der Implantation.
Was ist der Unterschied zwischen Eigenknochen und Knochenersatzmaterial?
Eigenknochen stammt vom Patienten selbst und besitzt osteokonduktive, osteoinduktive und osteogene Eigenschaften. Knochenersatzmaterialien erfüllen vor allem eine Gerüstfunktion und können bei geeigneten Defekten den zusätzlichen Eingriff an einer Entnahmestelle vermeiden.
Wie lange dauert die Heilung nach einem Knochenaufbau?
Die Heilungsdauer hängt vom Verfahren, der Defektgröße und der Belastung ab. Beim externen Sinuslift wird bei zweizeitigem Vorgehen häufig eine Einheilzeit von etwa 4 bis 6 Monaten vor der Implantation eingeplant.
Was kostet ein Knochenaufbau im Kiefer?
Als grobe Orientierung werden für einen kleineren Knochenaufbau etwa 330 Euro und für einen Sinuslift bis etwa 850 Euro genannt. Die tatsächlichen Gesamtkosten können durch Diagnostik, Material, Membranen, weitere chirurgische Maßnahmen sowie Implantat- und Zahnersatzversorgung höher ausfallen.