Ratgeber für Patienten
Intervallfasten bei Typ-1-Diabetes: Was die neue Studie wirklich zeigt
Eine neue randomisierte Studie, über die Diabetes In Control berichtet und die im Fachjournal Diabetes Care erschienen ist, hat genau das bei Erwachsenen mit Typ-1-Diabetes untersucht.

Endlich abnehmen ohne Kalorienzählen – klingt das nicht zu schön, um wahr zu sein? Eine neue randomisierte Studie, über die Diabetes In Control berichtet und die im Fachjournal Diabetes Care erschienen ist, hat genau das bei Erwachsenen mit Typ-1-Diabetes untersucht. Das Ergebnis dämpft die Erwartungen deutlich: Beim Gewicht brachte das zeitlich begrenzte Essen (Time-Restricted Eating, TRE) keinen statistisch relevanten Vorteil gegenüber einer Kontrollgruppe ohne Diät. Spannend wurde es an einer ganz anderen Stelle.
Studiendesign: klein, aber methodisch sauber
Sechs Monate Laufzeit, 32 Erwachsene mit Typ-1-Diabetes und Übergewicht beziehungsweise Adipositas – mittlerer BMI 33 kg/m², Durchschnittsalter 41 Jahre, rund 59 Prozent Frauen, Ausgangs-HbA1c 7,3 Prozent. Drei Gruppen wurden verglichen: TRE mit einem Acht-Stunden-Fenster zwischen 12 und 20 Uhr ohne Kalorienzählen, eine Gruppe mit 25 Prozent weniger täglicher Energiezufuhr, und eine Kontrollgruppe ohne Intervention. Alle Teilnehmenden führten ihre Insulintherapie individuell weiter.
Was die Waage zeigt – und was nicht
Nach sechs Monaten lag die Körpergewichtsveränderung in der TRE-Gruppe bei minus 2,19 Prozent, in der Kalorienrestriktions-Gruppe bei minus 0,47 Prozent. Der Unterschied zwischen den Gruppen verfehlte die statistische Signifikanz – wer mit TRE vorrangig abnehmen will, lässt sich von dieser Zahl nicht überzeugen. Anders sieht es beim Blutzucker-Langzeitwert HbA1c aus: In der TRE-Gruppe lag er um 0,46 Prozentpunkte niedriger als in der Kalorienrestriktions-Gruppe, ein klinisch durchaus relevanter Unterschied, wenn auch bei dieser kleinen Stichprobe mit der gebotenen Vorsicht zu lesen.
Beim gesamten Insulinbedarf und beim mittleren Glukosewert fanden sich zwischen den Gruppen keine signifikanten Unterschiede. Für die Sicherheitsbewertung die entscheidende Aussage: TRE erhöhte in dieser Untersuchung weder das Risiko für eine diabetische Ketoazidose noch für schwere Unterzuckerungen oder schwere Überzuckerungen. Wer also bislang aus Sorge vor genau diesen Komplikationen die Finger von Auslassversuchen ließ, bekommt hier zumindest ein Signal, dass ein begrenztes Zeitfenster im engmaschig betreuten Setting machbar sein kann.
Was bleibt für die Praxis
TRE ist bei sorgfältig ausgewählten insulinpflichtigen Erwachsenen offenbar sicher durchführbar – das ist für Patienten, die diese Ernährungsform erwägen, die wichtigste Botschaft. Als bewiesene Abnehm-Methode bei Typ-1-Diabetes lässt sich TRE derzeit trotzdem nicht verkaufen. Wer es trotzdem ausprobieren möchte, sollte das Zeitfenster nicht als Ersatz für ärztliche Begleitung, CGM-Auswertung und ein wachsames Hypoglykämie-Management verstehen. Sinnvoll ist es, das Vorhaben vorab mit dem behandelnden Diabetesteam abzustimmen und die Insulindosis gerade in den ersten Wochen engmaschig anzupassen, weil sich gewohnte Mahlzeiten-Routinen verschieben.
Ergänzend weist Bhaskar English anlässlich des Ayurveda-Tages am 23. September auf Aussagen von Prof. Sanjeev Sharma hin, Vizekanzler des National Institute of Ayurveda in Jaipur. Auch aus dieser Perspektive seien späte Mahlzeiten, unregelmäßige Schlafenszeiten und ein Übermaß an Fast Food Treiber von Übergewicht und Diabetes – nicht primär das Was, sondern Wann und Wie viel entscheide über die langfristige Wirkung auf Stoffwechsel und Leber. Beide Quellen landen damit bei der gleichen Frage: Regelmäßigkeit schlägt Modediät.