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Ratgeber für Patienten

Diabetisches Fußsyndrom: Warum Schmerzfreiheit zur Gefahr wird und wie Sie Amputationen vermeiden

Chefarzt Dr. Holger Diener von der Gefäß- und Endovaskularchirurgie spricht am 1. Oktober im Krankenhaus Buchholz im GesundheitsGespräch über das diabetische Fußsyndrom.

Diabetisches Fußsyndrom: Warum Schmerzfreiheit zur Gefahr wird und wie Sie Amputationen vermeiden

Sein Ausgangspunkt: Gerade weil die Erkrankung häufig keine Schmerzen verursacht, wird sie zur Falle – und genau hier entscheidet sich, ob eine Amputation droht oder verhindert werden kann. Für Betroffene und Angehörige ist der Termin ein Anlass, die eigene Routine kritisch zu prüfen.

Warum Schmerzlosigkeit in die Irre führt

Etwa 80 Prozent aller Diabetes-Patienten entwickeln im Krankheitsverlauf eine Polyneuropathie – eine Nervenschädigung, die das Schmerzempfinden stark herabsetzt. Rund die Hälfte der Betroffenen leidet zusätzlich unter einer peripheren arteriellen Verschlusskrankheit, also Durchblutungsstörungen in den Beinen. Normalerweise kündigen sich solche Durchblutungsstörungen über kürzere Gehstrecken, Ruheschmerzen und schließlich abgestorbenes Gewebe an. Wer nichts spürt, überspringt diese Warnstufen komplett und steht in der Sprechstunde oft erst, wenn Infektionen und Gewebeverluste bereits fortgeschritten sind. Dr. Diener beschreibt zudem ein psychologisches Phänomen, das als Leibesinselschwund bekannt ist: Betroffene blenden den massiv veränderten Fuß regelrecht aus, betrachten ihn nicht mehr als eigenen Körperteil und nehmen schwere Schäden gar nicht mehr wahr. Wer das bei sich oder Angehörigen beobachtet, sollte nicht auf Einsicht warten, sondern den nächsten Kontrolltermin konsequent vorziehen.

Was Prophylaxe konkret leisten muss

Im Vortrag wird deutlich, dass Selbstkontrolle und Fremdkontrolle gleichermaßen dazugehören. Tägliche Inspektion der Füße, fachgerechte Fußpflege, passendes Schuhwerk ohne Druckstellen und das konsequente Meiden des Barfußgehens bilden die Basis. Angehörige übernehmen die Kontrolle im Alltag, wenn Sehen, Bücken oder Fühlen bereits eingeschränkt sind. Sobald sich eine Wunde zeigt – und sei sie noch so klein –, ist nach Angaben des Chefarztes eine umgehende Gefäßabklärung beim Spezialisten unverzichtbar. Da Diabetes als Systemerkrankung Nerven, Gefäße und Stoffwechsel gleichzeitig betrifft, hängt der Behandlungserfolg laut Dr. Diener an der engen, multidisziplinären Zusammenarbeit mehrerer Fachrichtungen – von Diabetologie über Gefäßchirurgie bis hin zu Wundmanagement und Orthopädieschuhtechnik.

Kurze Checkliste für die nächste Woche

  • Füße täglich inspizieren – auch Fußsohlen und Zehenzwischenräume, notfalls mit Spiegel.
  • Schuhe vor dem Anziehen mit der Hand auf Fremdkörper, Nähte und Druckstellen prüfen.
  • Barfußlaufen drinnen und draußen konsequent vermeiden – auch in den eigenen vier Wänden.
  • Wunden, Rötungen oder Blasen noch am selben Tag ärztlich abklären lassen, statt abzuwarten.
  • Regelmäßige Kontrolltermine beim Spezialisten fest einplanen und nicht verschieben.

Das GesundheitsGespräch beginnt am 1. Oktober im Krankenhaus Buchholz, eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Im Anschluss an den Vortrag beantwortet Dr. Diener individuelle Fragen aus dem Publikum.